News zum autonomen Fahren {KW16/2019}

Fully autonomous cars may never arrive. But we’ll all benefit from self-driving tech while we wait.

Das führende amerikanische Technologie-Magazin „Wired“ schreibt über den Status Quo des autonomen Fahrens und fragt „Sind wir schon da?“. Die Autoren, Alex Davies und Aarian Marshall, sind klug genug, um auf diese einfache Frage keine ebenso simple Antwort zu geben. Sie gießen zunächst viel Wasser in den Wein derjenigen, die den Advent des autonomen Fahrzeugs wie etwa Tesla-Chef Elon Musk (s.u.) schon im nächsten Jahr wähnen: Eine Maschine, die überall hin fährt (bzw. fahren kann) und dabei gut zurecht kommt – sie bleibt auf absehbare Zeit Utopie, glauben die Autoren. In begrenzten, von den AV-Unternehmen genau vermessenen Gebieten und für beschränkte Nutzungsszenarien sehen die Tech-Journalisten gleichwohl mehr Chancen auf eine alsbaldige Verwirklichung:

„The best way to understand the self-driving world is to ask not when it will arrive, but where. And how. And for whom.“

Sodann zeigen Davies und Marschall sieben Szenarien auf, in denen hochautomatisierte Fahrzeuge zum Einsatz kommen könnten:

  • Bus-Shuttle
  • geschützte wie exakt umrissene Zonen wie Campus-Gelände
  • Robotaxis
  • autonome Agrar- und Industriemaschinen
  • fahrende Mini-Zustellroboter
  • Langstrecken-LKW

Für jedes Szenario geben sie unterschiedlich optimistische oder pessimistische Prognosen*. Lesenswert.

*Auflösung: Bus-Shuttle: innerhalb der nächsten paar Jahre // Campus Gelände o.ä.: Pilotprogramme werden bereits umgesetzt // Robotaxis: brauchen noch ein Jahrzehnt // autonome Agrar- und Industriemaschinen: bereits in Gebrauch // Mini-Zustellroboter: Pilotprogramme werden bereits umgesetzt // Langstrecken-LKW: innerhalb der nächsten paar Jahre.


Tesla’s extraordinary „Full Self-Driving“ claims require extraordinary proof, and that’s not what today’s investor presentation provided.

Tesla hat eine große Präsentation zu seiner AV-Technik auf dem hauseigenen „Autonomy Day“ gegeben. Wie es bei Elon Musk mittlerweile Standard ist, gab es wiederum extrem ehrgeizige Vorhersagen des CEO: Bis Ende 2019 soll Teslas AV-Technik „feature complete“ sein, wobei die Schönheit der Zielvorgabe wohl vor allem darin liegt, dass unklar bleibt, was man darunter verstehen kann. Zuletzt hatte Musk geprahlt, man sei „meilenweit vor“ der Konkurrenz, was das autonome Fahren angehe. Im letzten Jahr musste Tesla gleichwohl seine Verkaufsbeschreibung für den Autopilot ändern und implizit eingestehen, dass die Technik noch nicht so weit ist wie im Verkaufstext versprochen. Tesla verfolgt seit jeher eine völlig andere Strategie als die Mehrzahl anderer AV-Hersteller, die im Gegensatz zum E-Auto-Pionier etwa auf redundante Sensor-Technik inkl. LIDAR-Systemen und handverlesene HD-Maps setzen, die Musk jetzt als „crutches“ („Krücken“) bezeichnete. Die Kritiker des Tesla-Sonderweges beim autonomen Fahren konnte Musk mit seiner Präsentation auf dem „Autonomy Day“ denn auch nicht überzeugen. Die Präsentation kann man sich hier ansehen:


Level-4-Fahrzeuge in regelmäßigem öffentlichen Verkehr auf deutschen Innenstadtstraßen – das hat es bislang noch nicht gegeben. Fünf Golf bringt Volkswagen jetzt in Hamburg auf den Weg – sie sollen jeweils eine Woche lang auf einer noch mit entsprechender V2X-Technik auszustattenden „Teststrecke“ unterwegs sein, bevor VW sich in Wolfsburg an die Datenanalyse macht. Testfahrer sitzen freilich hinter dem Steuer und man darf gespannt sein, was die Hamburger über die neuen Roboter-Fahrzeuge an Alster und Elbe berichten werden.